Leider ist sehr häufig von vielen zu hören, dass Kryptowährungen die Kriminalität fördern, dass Kryptowährungen Transaktionen verschleiern und auch noch zu sonstigen illegalen Aktivitäten genutzt wird.

Dies ist nur teilweise richtig, wenn nicht sogar gar nicht. Die meisten Kryptowährungen, zumindest die Bekanntesten (Bitcoin, Ethereum, Cardano), sind vollständig Transparent. Es gibt führe jede dieser Plattformen sogenannte „Blockchain Explorer“. Diese kann man sich vorstellen wie eine Art Browser der Kryptowährungen und mit diesen kann ich jede Transaktion genaustens nachverfolgen. Ich nehme hier als Beispiel den Blockchain Explorer „www.cardanoscan.io“ für die Kryptowährung ADA.

Die letzten Transaktionen auf Cardano

Das sehr interessante hier ist, dass ich sobald ich die Wallet-Adresse von jemandem habe alle Daten dazu finden kann. Zum Beispiel wurde ich letztens von der Cardano-Foundation für meine Übersetzungstätigkeiten bezahlt und habe demnach auch deren Wallet-Adresse, da diese als Absender der Transaktion mir angezeigt wurden. Wenn ich mir diese Wallet-Adresse anschaue, so kann ich zum Beispiel feststellen welche Transaktionen alle durchgeführt wurden von dem Absender und auch welche anderen Adresse zu denen gehören.

Würde nun jemand mit etwas mehr Zeit und Willen sich diese Struktur anschauen, könnte darüber sogar herausgefunden werden auf welcher Kryptowährungsbörse diese Person angemeldet ist oder ob diese zum Beispiel sogar Kryptowährungen an eine bestimmte Plattform gesendet hatte.

Zum Beispiel hatte der Youtube Kanal STRG_F von unserem öffentlichem Rundfunk eine Reportage erstellt, wo diese „Illegale Kryptotransaktionen“ verfolgt haben. Es konnte von einer einzelnen Bitcoin-Adresse aus unteranderem die Wallet einer Darknet-Handelsplattform ausfindig gemacht werden und dann auch einige Wallets von mutmaßlichen Darknet-Händlern gefunden werden. Am Ende sind einige dieser Zahlungsströme sogar zur Kryptowährungsbörse Binance geflossen. Hier für euch die Reportage:

Dies soll jetzt verdeutlichen, dass Kryptowährungen sogar unter gewissen Umständen transparenter sind als unser aktuelles Finanzsystem. Das liegt auch daran, dass die Wallets nur pseudonymisiert sind und nicht anonymisiert. Eine Walletadresse ist vergleichbar mit unserem IBAN System. Wenn ich die IBAN, also die Kontonummer, von einem Unternehmen kenne, kann ich dem Unternehmen die Bank und Kontonummer zuordnen. Ohne diese Verknüpfung ist es nur eine Nummer. Das kann ich auch ähnlich auf Kryptowährungen übertragen:
Ohne das Wissen wem eine Walletadresse gehört ist es nur irgendeine Nummer. Habe ich den Zusammenhang könnte ich statt dieser Nummer auch den Namen schreiben.

Das Interessante daran ist nun auch, dass ich dadurch den Kontostand meines Gegenüber sehen kann, wie auch alle Transaktionen die er mit diesem „Konto“ getätigt hat. Es ist also transparenter als das bisherige System.


Was ist nun das Problem für die Strafverfolgung?

Trotz der extremen Transparenz gibt aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden einige Probleme. Genau diese „Probleme“ sind aber die grundsätzlichen Vorteile für die Nutzer.

Keine Verbindung zu echten Personen:
Es im ersten Schritt nie eine Verbindung zu echten Personen oder Unternehmen. Erst wenn ich zum Beispiel über eine Kryptowährungsbörse, bei welcher ich mich identifizieren musste, häufiger Gelder an meine Wallet sende, gibt es eine Verbindung zu meiner Identität. Beschaffe ich mir die Coins durch Arbeit, private Käufe oder normalen Transaktionen kann ich noch anonym im Netzwerk tätig sein. Wenn wir uns hier einen Vergleich zu unserem traditionellem Finanzsystem anschauen, sehen wir, dass wir bei der Eröffnung eines Bankkontos immer unseren Ausweis vorzeigen müssen, wodurch eine eindeutige Identifizierung möglich ist.

Unendliche Konten:
Bei den Kryptowährungen gibt es prinzipiell die Möglichkeit unendliche viele „Konten“ zu eröffnen und zu schließen. Ich kann mit einem einzigen Mausklick, mir ein komplett neues und frisches Konto eröffnen – welches am Anfang auch wieder komplett anonym ist. Ziehen wir hier den Vergleich zu unserem aktuellem Bankensystem, dann sind sehr viele Banken bei der Schufa angeschlossen. Irgendwann würde die hundertste Bank uns fragen was wir dort genau vorhaben. Zumal wir auch dadurch den Schufa-Wert verschlechtern und sehr viele Gebühren zahlen müssen.

Keine Bestimmungsgewalt:
In der Welt der Kryptowährungen kann kein Gericht anordnen, dass das Konto eingefroren werden soll. Somit kann eine Wallet eben auch nicht gepfändet, gesperrt oder gekündigt werden. Transaktionen können nicht zurück geholt werden und auch nicht gesperrt werden. Auch könnten zum Beispiel Auslandskonten die zu Betrügern oder Terrorristen gehören nicht auf eine „schwarze Liste“ gesetzt werden. Die Behörden können also dann nur zusehen wie illegale Gelder zu jemandem überwiesen werden.

Für die Behörden gibt es aber einen Punkt wo diese ansetzen können. An der Übergangsstelle von FIAT-Währungen zu Kryptowährungen, also den Börsenplätzen. In Deutschland sind diese Börsen dazu verpflichtet ihre Kunden zu identifizieren und das zu dokumentieren. Sollte nun illegales Geld zu einer Kryptowährungsbörse fließen, können die Behörden eingreifen. Sie können die Börse anweisen, das Konto zu sperren und die Identität offen zu legen.

Dies wird aber mit zunehmender Akzeptanz, neuen Möglichkeiten der „Krypto-Wäsche“ und anderen Kryptowährungsprojekten natürlich zunehmend schwieriger. Wie wir unsere Behörden auch kennen, sind diese nicht immer auf dem neusten technischem Stand und sind dadurch ein bis zwei Schritte hinterher.


Fazit:

Kryptowährung sind eine der transparentesten Formen Geld zu überweisen und zu besitzen. Perse steigern diese nicht die Kriminalität. Warum sollte ein Krimineller eine der transparentesten Währungen nutzen? Das normale FIAT-Geld kann um einiges einfacher gewaschen werden und Bargeld ist nachverfolgbar! Was vielleicht gesteigert wird ist der internationale Geldtransport. Die Strafverfolgungsbehörden haben keine Bestimmungsgewalt über die Kryptowährungen, wodurch natürlich internationale und grenzüberschreitende Transaktionen sehr einfach möglich sind. Es muss aber zum Schluss immer erwähnt werden, dass alles für immer gespeichert wird und komplett nachvollziehbar bleibt. Es ist egal ob du dir eine Pizza bei Lieferando kaufst oder bei Expedia eine teure Weltreise. Alles ist und bleibt dokumentiert und jeder kann das sehen. Somit empfinde ich Kryptowährungen als die transparenteste Form des Geldes.